Verjüngung bei Abwasserleitung in Fließrichtung Unzulässige Querschnittsreduzierung und die Folgen

(23. Sep. 2013 - Praxisbeispiel von Altunay - Bauexperts)
Querschnittsreduzierung in Fließrichtung

Die Reduzierung der Rohr-Nennweite in Fließrichtung ist unzulässig. Ein Mangel mit teuren Folgen für den Bauträger (Mangelfolgeschaden).

Ist-Zustand

Im vorliegenden Fall wurde bei einem Neubau gartenseitig ein Regenwasserrohr in den Keller eingeführt, um straßenseitig an das Mischkanalnetz angeschlossen werden zu können. Bei einem starken Regenereignis sollen aus dieser Regenwasserleitung größere Mengen Wasser ausgetreten sein. Der gesamte, zu Wohnzwecken ausgebaute Keller, musste anschließend technisch getrocknet werden. Zusammen mit den erforderlichen Malerarbeiten liegt ein umfangreicher Schaden vor. Der Auftraggeber beauftragt, zur Vorbereitung einer gerichtlichen Ausseinandersetzung, die beweiskräftige Klärung, ob das Regenwasserfallrohr sach- und fachgerecht ausgeführt wurde.

Nach einer Bauteilöffnung und Druckprobe konnte folgendes festgestellt werden:

  • Ein Gussrohr (SML) in der Dimension DN100 ist gartenseitig in den Keller eingeführt.
  • Dieses Gussrohr ist im Keller mit einem standard CV-Verbinder mit einem Kunsstoffrohr (HT) verbunden.
  • Das Kunsstoffrohr hat die Dimension DN 70
  • Das Kunsstoffrohr ist straßenseitig an das Mischwasserkanalnetz angeschlossen
  • Es liegt eine Reduzierung der Rohr-Nennweite von DN 100 auf DN 70 in Fließrichtung vor.
  • Es handelt sich um eine Freigefälleleitung und nicht um eine planmäßig vollgefüllte Regenwasserleitung.
  • Die Druckprobe ergab austretendes Wasser an der Verbindungsstelle / CV-Verbinder.
Rohrabkastung im KellerEinführung Gussrohr in den KellerUndichte Verbindungsstelle

Soll-Zustand

Zur Beurteilung des Sollzustandes wurden die Verträge hinsichtlich vereinbarte Beschaffenheit geprüft. Im Bauvertrag zwischen Auftraggeber und Bauträger sind hinsichtlich der Regenwasserleitungen keine Details geregelt.

Vom Sachverständigen wurde die Bemessungsregenspende (auch Regenspende genannt) ermittelt. Demnach ist eine Bemessung der Regenentwässerungsanlagen im vorliegenden Fall in DN70 ausreichend gewesen.

Es ist allgemein anerkannte Regel der Technik, das Rohr-Nennweitenreduzierung in Fließrichtungen unzulässig sind. Für die Jahre 2000- 2008 gilt als Grundlage DIN EN12056-3 hier heißt es unter Punkt 7.6.5 wörtlich:

"Reduzierung der Rohr-Nennweite in Fließrichtung sind nicht erlaubt, mit Außnahme von planmäßig vollgefüllten Regenwasserleitungen." 

Ab 2008 ist die DIN 1986-100 zu beachten. Hier heißt es unter Punkt 6.1.8 wörtlich:

"Die Reduzierung von Rohr-Nennweiten in Fließrichtung sind, mit Ausnahme bei planmäßig vollgefüllt betriebenen Regenwasserleitungen, unzulässig."

Hinsichtlich der Verbindung zwischen Guss- und Kunsstoffrohr gilt, dass diese nur mit geeigneten und zugelassenen Verbindern erfolgen können. Eine entsprechende Zulassung des Herstellers liegt für den verwendeten CV-Verbinder nicht vor. 

Gutachterliche Beurteilung

Die Querschnittsreduzierung in Fließrichtung ist unzulässig und entspricht nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik.

Die Herstellung der Verbindung zwischen Gussrohr und Kunststoffrohr mit einem CV-Verbinder entspricht ebenfalls nicht den allgemein anerkannren Regeln der Technik. Auch ohne eine Querschnittsreduzierung ist der CV-Verbinder, technisch nicht in der Lage, diese Verbindungsstelle dauerhaft dicht zu halten. Die Druckprobe ergab erwartungsgemäß Undichtigkeiten an dieser Verbindungsstelle.

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